Pfarrer sein ist nicht nur Berufung, es ist auch ein ganz normaler Beruf. Deshalb bietet der Arbeitgeber Kirche seinen Mitarbeitenden auch die Möglichkeit, sich helfen zu lassen, wenn es um Probleme oder Perspektiven geht.
Nahezu täglich werden Pfarrerinnen oder Pfarrer um Rat gefragt: Gemeindeglieder und auch völlig Fremde suchen nach Hilfe, wollen beraten und betreut werden. Was aber ist, wenn die Seelsorger selbst der Schuh drückt, wenn sie nach neuen Wegen suchen? Frank Seifert kennt diese Situation aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln: als Pfarrer und als ausgebildeter Personaler. Jahrelang hat er junge Theologinnen und Theologen betreut, noch an der Universität und dann in den ersten Berufsjahren. Jetzt kümmert er sich ausschließlich um „gelernte“ Pfarrerinnen und Pfarrer.
Wie für die Seelsorger selbst ist auch für ihn Verschwiegenheit die Grundvoraussetzung: „Ich bin zwar Mitarbeiter der Kirche“, sagt er. „Aber jeder, der zu mir kommt, kann sicher sein: Kein Wort verlässt diese Räume.“
Deshalb ist er auch umgezogen: Vom Verwaltungsgebäude der Landeskirche in ein Büro der Hochschulgemeinde. Niemand sieht, wer zu ihm kommt. Oder wie lange er bleibt.
Dabei geht es im Coaching-Angebot der Kirche nur selten um Probleme, die Probleme machen. In der großen Mehrzahl suchen die Kolleginnen oder Kollegen Rat, wenn es um Neu- oder Umorientierung geht, Fragen also nach Gemeinde- oder Aufgabenwechsel, nach den eigenen Stärken, Schwächen und Herausforderungen. „Aber auch wir Pfarrer haben Familie oder Kollegen – mit allem, was dazugehört“, sagt Seifert. Und so kämen auch immer wieder persönliche Gespräche auf, bei denen er vor allem zuhören und dann die richtigen Fragen stellen muss.
Mehr als 120 Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten anderthalb Jahren die vertrauliche Personalberatung in Anspruch genommen, freut sich der 60-jährige Coach – und das nicht nur in einem persönlichen Gespräch vor Ort, sondern auch telefonisch oder online.