Kirche und Geld 2017

Das Jahresergebnis 2016 entspricht bis auf 2 Mio. € (0,2 % des Haushaltsvolumens) dem Haushaltsplan in der Form, die er nach Übertragung von 12 Mio. € Aufwand in das Haushaltsjahr 2017 gefunden hat. Aufgrund der Verschiebung ergibt sich ein positives Ergebnis von 29,9 Mio. € (3,3 % des Haushaltsvolumens). Die wirtschaftliche Lage der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist weiterhin stabil.


Die „Beinahe-Punktlandung“ ergibt sich aus einem im Wesentlichen plangemäßen Haushaltsvollzug und einigen signifikanten, aber einander neutralisierenden Planabweichungen. Sie sind überwiegend dem aperiodischen Bereich zuzurechnen. Zugute kommen uns steuerliche Sondereffekte von 22 Mio. € sowie die außergewöhnliche hohe Renten­erhöhung. Sie beträgt 2016 anstelle der eingeplanten 1,0 % tatsächlich 4,25 %. Hintergrund ist, dass die ELKB auch ihre Beamtinnen und Beamten sowie Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Deutschen Rentenversicherung versichert. Die Zahlungen der Deutschen Rentenversicherung mindern die Pensionsansprüche gegen die Landeskirche. Die außergewöhnliche Rentensteigerung erhöht den Wert der Ansprüche gegen die Rentenversicherung um 3,25 % mehr als budgetiert. In gleicher Höhe wird die ELKB entlastet (43 Mio. €).


Ergebnisbelastend wirkt dagegen insbesondere die präzisere Berechnung der Beihilferückstellungen für die Ruhestandsphase (25 Mio. €). In vollem Umfang berücksichtigen wir nunmehr den Kostenaufwuchs der medizinischen Versorgung, der sich aus dem steigenden Lebensalter ergibt (sog. „Altersprofil“ der Beihilfeberechtigten). Weitere Verbesserungen in der Rückstellungsmethodik schlagen mit 20 Mio. € zu Buche. Ferner mindert die Besoldungserhöhung das Ergebnis (23 Mio. €).
 


„Die wirtschaftliche Lage der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern ist weiterhin stabil.“
Erich Theodor Barzen, Oberkirchenrat für Finanzen

HÖHERE BILANZSUMME

Die Bilanzsumme steigt um 260 Mio. € auf knapp 4 Mrd. €. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf die (festverzinslichen) Einlagen von Dekanatsbezirken und kirchlichen Stiftungen bei der ELKB, die wir zentral nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Sicherheit, Rendite und Liquidität anlegen. Infolge des positiven Jahresergebnisses und der Bilanzverlängerung sinkt der bilanzielle Fehlbetrag in absoluten und in relativen Zahlen. Er beträgt nunmehr 8,47 % der Bilanzsumme (336 Mio. €; Vorjahr: 9,88 % / 366 Mio. €).


LANDESKIRCHLICHE IMMOBILIEN

Die Bilanz der ELKB weist bebaute Grundstücke in Höhe von 167 Mio. € aus. Dieser Wert bezieht sich jedoch nur auf die Körperschaft ELKB selbst. Der Großteil der kirchlichen Immobilien, die 1.640 Kirchen und Kapellen, die 1.320 Gemeindehäuser und bei wirtschaftlicher Betrachtung auch die 1.350 Pfarrhäuser stehen im Eigentum der Kirchengemeinden. Sie sind bislang nicht bewertet. Dies gilt auch für die Wälder, die landwirtschaftlichen Flächen und auch die Wohnungen, welche den Pfründestiftungen gehören. Weitere Immobilien hält das Evangelische Siedlungswerk (Buchwert 181 Mio. €; belastet mit Verbindlichkeiten von 117 Mio. €). Das Evangelische Siedlungswerk gehört zu 88 % der ELKB.


<strong> Kirchengebäude und Wohnhäuser: </strong> Die Kirche betreut zahlreiche Immobilien.
Kirchengebäude und Wohnhäuser: Die Kirche betreut zahlreiche Immobilien.

Den Immobilienbereich reformieren wir derzeit in mancherlei Hinsicht:

  • Die derzeit 1.800 Pfründestiftungen legen wir zu einer einzigen Stiftung zusammen, und wir stellen auf doppische Rechnungslegung um. Gleichzeitig übereignen wir die Pfarranwesen auf die Kirchengemeinden. Die Pfarranwesen stehen bislang zwar im Eigentum der Pfründestiftungen, werden aber von den Kirchengemeinden unterhalten. Die Neuerung führt zu einer deutlichen Verwaltungsvereinfachung.
  • Die ELKB, die Pfründestiftungen und das Evangelische Siedlungswerk besitzen insgesamt ca. 7.500 Wohnungen. Moderate Erträge ermöglichen es uns, den Bestand Stück für Stück auszubauen, im Wesentlichen durch Neubau in Städten mit angespannten Wohnungsmärkten. In Planung sind weitere gut 1.000 Einheiten. Die Politik nimmt unser Engagement gerade im sozialen Wohnungsbau mit Anerkennung wahr. Mit einer Durchschnittsmiete von bayernweit ca. 6,50 €/m2 tragen wir dazu bei, erschwinglichen Wohnraum für breite Bevölkerungskreise zur Verfügung zu stellen.

Unser Ziel ist es, den Wohnungsbereich in einer einzigen Körperschaft zu bündeln. Auch dies reduziert den administrativen Aufwand. Die umfangreichen steuerlichen sowie gesellschafts- und kirchenrechtlichen Prüfungen laufen derzeit.

  • Erstmals seit langem haben wir die Mieten für die ca. 200 landeskirchlichen Mitarbeitendenwohnungen angehoben. Durch die erhöhten Einnahmen ist es möglich, weitere Mitarbeitende in den Genuss von vergünstigtem Wohnraum kommen zu lassen. Die Differenz zur Marktmiete ist für den Einzelnen freilich geringer als zuvor.
  • Die 34 Dienstimmobilien mit 93.000 Quadratmetern Nutzfläche stellen eine große wirtschaftliche Herausforderung für uns dar. Die vor sieben Jahren eingeführte doppische Rechnungslegung führt auch den Aufwand vor Augen, der in der Abschreibung der Gebäude besteht. Ferner sind viele Häuser nicht mehr in einem zeitgemäßen Zustand. Der Instandhaltungsstau ist erheblich. Hier werden wir mehr Haushaltsmittel als in den vergangenen Jahren einsetzen müssen. Gleichzeitig werden Priorisierungen erforderlich sein. Nicht alles wird in der bisherigen Form fortgeführt werden können.

AUSBLICK

Die weiterhin starke Konjunktur sichert uns derzeit noch stabile Steuererträge und ein moderat positives Jahresergebnis. Die Aufräumarbeiten aus der Umstellung auf die Doppik in der ELKB sind abgeschlossen. Nun wenden wir uns verstärkt den Herausforderungen in Verbindung mit unseren Immobilien zu und hinterfragen althergebrachte Strukturen. Wir vereinheitlichen Verfahrensabläufe und setzen so Kräfte für eine noch professionellere Bewirtschaftung unserer Immobilien frei. Wir können dankbar sein, dass wir nicht in Quartalen, sondern in Dekaden denken und handeln dürfen.

„Die weiterhin starke Konjunktur sichert uns derzeit noch stabile Steuererträge und ein moderat positives Jahresergebnis.“
Erich Theodor Barzen